Dr.jur.Joachim Schuster und Susanne Thomas Fachanwälte für Erb-Familien- und Arbeitsrecht
Dr.jur.Joachim Schuster und Susanne ThomasFachanwälte für Erb-Familien- und Arbeitsrecht  

Rechtsbrief März 2012

Der Rechtsbrief März 2012

 

Der Inhalt dieses Rechtsbriefes

 

Die Paukenschläge

 

 

Die Bedeutung des Erbrechtes,

vgl. Absatznummern: 2 bis 5

 

Die Kritik der Wissenschaft an der erbrechtlichen Rechtsprechung,

vgl. Absatznummern 6 bis 12

 

Der am 1. Januar 2002 geborene Einzelrichter,

vgl. Absatznummern 13 bis 21

 

Die Eliterichterinnen und die –richter,

vgl. Absatznummern 22 bis 29

 

Die Top-Juristen der GenerationY,

vgl. Absatznummern 30 bis 32

 

Work-Life-Balance,

vgl. Absatznummer 34

 

Ein Fall, der klassisch werden könne: Die Richterablehnung,

vgl. Absatznummern 36 bis 40

 

 

 

Verehrte Rechtsgenossin,

verehrter Rechtsgenosse,

 

 

[1] dieser Rechtsbrief enthält Paukenschläge. Mit ihnen möchte ich meiner Kritik an dem derzeitigen gerichtlichen Zustande Ausdruck verleihen. Das geschieht beispielhaft auf dem Gebiete der erbrechtlichen Rechtsprechung der Landgerichte. Die dortige Turbulenz dürfte Sie ebenso erschrecken wie mich, der ich mich täglich mit dieser Rechtskultur (im wesentlichen des 5. Buches  des Bürgerlichen Gesetzbuches) beschäftige. Tröstlich mag sein, daß diese gerichtliche Schlechtwetterlage in etwa drei bis fünf Jahren abklingen könnte. Daran will ich mitarbeiten - in aller Bescheidenheit auch mit diesem Rechtsbrief.

 

[2] Die wirtschaftliche Bedeutung des Erbrechtes wächst gewaltig. Nach der Beendigung des Zweiten Weltkrieges haben namentlich unsere Vorfahren ein geradezu unvorstellbares vererbliches Vermögen geschaffen. Diese Gründergeneration wird von der Erbengeneration abgelöst (so Knut Werner Lange, Professor an der Universität Bayreuth, im Vorwort zu seinem soeben erschienen Werk: „Erbrecht, Lehrbuch für Studium und Praxis, München 2011).

 

[3] Wolfgang Krüger, L.L.M., Fachanwalt für Erbrecht, ein mitdreißiger Top-Jurist (über diesen Teil der neuen Juristengeneration vgl. unten Absätze Nr. 30 ff.), begann am vergangenen Sonnabend seinen ausgezeichneten Seminarvortrag: „Das Erbrecht, Essentials und Haftungsfallen“, Eiden-Skriptum: S. 12, 119 , 2641 E) mit folgenden Ausführungen (Bl. 5 sub A.I.1.1):

 

 

[4] „2008 verstarben in Deutschland 844.439 Menschen. Zwischen 2011 und 2012 werden geschätzt rund 26.000.000.000,00 Euro im Wege der Erbfolge weitergereicht werden (FAZ v. 16.06.2011, S. 13). Die genaue Zahl und wirtschaftliche Relevanz erbrechtlicher Mandate sind statistisch nicht belegt. Jedoch wird immer gestorben, so dass erbrechtliche Dezernate „konjunkturunabhängig“ sind (Unterstreichung von mir).“

 

 

[5] Solcherart erbrechtliche Mandate sind potentielle Streitigkeiten, die vor Gericht auszutragen sein könnten. Die erstinstanzliche Justiz (Landgerichte) ist darauf jedoch nur in erbärmlicher Weise vorbereitet.

 

[6] Sie muß sich wahrlich noch bis in die jüngste Zeit harte Kritik aus berufenem Munde gefallen lassen:

 

Kein Geringerer als Gerhard Otte, emeritierter Professor der Universität Bielefeld und Redaktor des Erbrechtes im „Staudinger“, dem höchstangesehenen „BGB-Kommentar seit 1898, hat in der Zeitschrift für die gesamte erbrechtliche Praxis“, 2008, 1 ff. (7) beklagt, was ich der erheblichen Bedeutung dieser Worte wegen im Zusammenhang zitiere:

 

 

[7] „Mit der fachlichen Kompetenz unserer Gerichte in Erbrechtssachen ist es nicht zum Besten bestellt. Das Erbrecht ist eine Materie für Spezialisten geworden, in der Juristenausbildung ebenso wie in der Praxis. Als sog. Grundzügefach ist es aus den juristischen Staatsprüfungen weitgehend verschwunden. Einige Fakultäten, aber nicht alle, pflegen es mit erfreulicher Intensität und ebensolchem Erfolg in der Schwerpunktebereichsausbildung. Das erreicht aber nur einen Teil der künftigen Zivilrichter. Später in der Praxis verhindert dann oft die Arbeitslast in den Zivilkammern die Einarbeitung in ein Rechtsgebiet, aus dem nicht jeden Tag ein Fall zur Entscheidung ansteht. Im Ergebnis sind erstinstanzliche Urteile in Erbrechtssachen in hohem Maße fehlerhaft. Missversteht eine Kammer die Übertragung eines Vorerbteils als Übertragung einzelner Nachlassgegenstände oder auch nur eines bloßen Nutzungsrechts (!), oder hält der Einzelrichter einer Kammer die Klage auf Zustimmung zu einem unvollständigen Teilungsplan für schlüssig, dann fehlen offenbar erbrechtliche Grundkenntnisse. Das ist nicht als Vorwurf gemeint, sondern nüchterne Feststellung. Eine gewisse Abhilfe würde es bedeuten, wenn bei der Geschäftsverteilung Erbrechtssachen nur einer Kammer zugewiesen würden. Das Einzelrichterprinzip erweist sich in solchen Sachen ohnehin als verfehlt und die Einschränkung des Zugangs zur Berufungsinstanz als äußerst bedenklich.

 

 

[8] Das spricht bereits für sich. Leider wird diese Kritik noch dadurch gesteigert, daß Lange (vgl. oben Abs. Nr. 2) jüngst nachgelegt hat:

 

 

[9] „Seit die Ausbildungsvorschriften der Bundesländer aus dem fünften Buch des BGB lediglich die berühmten „Grundzüge“ zum prüfungsrelevanten Stoff erklärt haben, herrscht landauf landab zumeist eine zweistündige Lehrveranstaltung vor. Nur sehr vereinzelt sind im Rahmen der universitätseigenen Staatsexamensprüfungen Schwerpunktbereiche zu genuin erb- und familienrechtlichen Themen geschaffen worden. Vor diesem Hintergrund setzt man in jungen Jahren gern „auf Lücke“, kann dann aber später dieses Wissensdefizit nicht mehr beseitigen. Wohin das am Ende führen kann, hat Otte unwidersprochen zusammengefaßt: „Mit der fachlichen Kompetenz unserer Gerichte in Erbrechtssachen ist es nicht zum Besten bestellt“ und „Im Ergebnis sind erstinstanzliche Urteile in Erbrechtssachen in hohem Maße fehlerhaft.“

 

 

[10] Ja, Sie haben es richtig gelesen. Diese Kritik ist bislang unwidersprochen geblieben.

 

[11] Otte spricht mit seinem Tadel (vgl. abermals oben Abs. Nr. 7) einen kenntnisarmen „Einzelrichter“ und das „verfehlte“ Einzelrichterprinzip“ in gerichtlichen Erbsachen an.

 

[12] Das führt mich zu den angekündigten weiteren Themen dieses Rechtsbriefes:

 

Die Richterelite als Hoffnungsträger in einigen Jahren und die Richterablehnung als Wegweiser für diese Zeit.

 

Das ist nicht paradox. Die Sinnigkeit dieser Umstände wird Ihnen nach Kenntnis folgender Zusammenhänge bewußt werden.

 

[13] Der Einzelrichter ist nach mehrjährigen Geburtswehen von dem Zivilprozeßreformgesetz des 27. Juli 2001 (ZPO-RG) am 1. Januar 2002 bei dem Landgericht (§§ 348, 348 lit a ZPO) und bei dem Oberlandesgericht (§§ 526, 527 ZPO) erschienen. Er ist ein Mitglied der mit mehreren Richtern besetzten Kammern (beim Landgericht) beziehungsweise Senaten (beim Oberlandesgericht) und kann den Rechtsstreit an Stelle seines Kollegiums aber für es entscheiden.

 

[14] Das ZPO-RG wollte zuvörderst die richterliche Arbeitskraft umschichten und deren Wirkung hierdurch optimieren. Unter anderem durch den vermehrten Einsatz des Einzelrichters sollten frei werdende richterliche Binnenressourcen zur personellen Stärkung der Eingangsinstanz verwendet werden. Ein wesentliches Ziel des Reformgesetzes war es, daß der Rechtsstreit schon in der Eingangsinstanz umfassend betrieben und nach Möglichkeit endgültig erledigt werde (BT-Drs. 14/4722 Seite 61).

 

[15] Nunmehr dürfte Ihnen die Vorschrift des § 348 Absatz 1, Sätze 1 und 2 ZPO verständlich werden, die ich Ihnen des besseren Verständnisses dieses folgenschweren Themas wegen umfassend zitieren möchte. Dabei werden Sie auch das „Kuckucksei“ in Absatz 1 Satz 2 Nr. 1 ZPO erkennen:

 

 

[16] „§ 348. Originärer Einzelrichter. (1) Die Zivilkammer entscheidet durch eines ihrer Mitglieder als Einzelrichter. Dies gilt nicht, wenn

 

1.) das Mitglied Richter auf Probe ist und noch nicht über einen Zeitraum von einem Jahr geschäftsverteilungsplanmäßig Rechtsprechungsaufgaben in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten wahrzunehmen hatte oder

 

2.) die Zuständigkeit der Kammer nach dem Geschäftsverteilungsplan des Gerichts wegen der Zuordnung des Rechtsstreits zu den nachfolgenden Sachgebieten begründet ist:

 

a.) Streitigkeiten über Ansprüche aus Veröffentlichungen durch Druckerzeugnisse, Bild- und Tonträger jeder Art, insbesondere in Presse, Rundfunk, Film und Fernsehen;

 

b.) Streitigkeiten aus Bank- und Finanzgeschäften;

 

c.) Streitigkeiten aus Bau- und Architektenverträgen sowie aus Ingenieurverträgen, soweit sie im Zusammenhang mit Bauleistungen stehen;

 

d.) Streitigkeiten aus der Berufstätigkeit der Rechtsanwälte, Patentanwälte, Notare, Steuerberater, Steuerbevollmächtigten, Wirtschaftsprüfer und vereidigten Buchprüfer;

 

e.) Streitigkeiten über Ansprüche aus Heilbehandlungen;

 

f.) Streitigkeiten aus Handelssachen im Sinne des § 95 des Gerichtsverfassungsgesetzes;

 

g.) Streitigkeiten über Ansprüche aus Fracht-, Speditions- und Lagergeschäften;

 

h.) Streitigkeiten aus Versicherungsvertragsverhältnissen;

 

i.) Streitigkeiten aus den Bereichen des Urheber- und Verlagsrechts;

 

j.) Streitigkeiten aus den Bereichen der Kommunikations- und Informationstechnologie;

 

k.) Streitigkeiten, die dem Landgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert zugewiesen sind.“

 

 

[17] Die Zuständigkeit der Kammer als Kollegium ist nur ausnahmsweise und dann gegeben,

 

wenn das (an sich zum Einzelrichter berufene) Kammermitglied Richter auf Probe und noch nicht länger als ein Jahr (!) geschäftsverteilungsplanmäßig mit Zivilsachen betraut ist.

 

[18] Proberichter sind solche Assessoren, die später als Richter oder Beamter auf Lebenszeit verwendet werden sollen. Sie führen die Berufsbezeichnung „Richter“.

 

[19] Die Ernennung zum Richter auf Lebenszeit – erkennbar durch den Zusatz etwa „Richter am Landgericht“ erfolgt nach entsprechender Bewährung regelmäßig nach drei Jahren. Spätestens nach fünf Jahren ist endgültig über die Ernennung zu entscheiden (vgl. Stackmann: „Der Einzelrichter im Verfahren vor den Land- und den Oberlandesgerichten“, Berlin 2006, Rdnrn. 7, 17, 18).

 

[20] Daraus folgt zunächst:

 

Erbstreitigkeiten werden im Gegensatz zu etwa Streitigkeiten aus Bankgeschäften oder über Ansprüche aus Heilbehandlungen nicht als schwierig und deshalb nicht als der Zuweisung an eine Spezialkammer bedürftig angesehen. Eine Assessorin oder ein Assessor mit lediglich einem Jahre Berufserfahrung in allgemeinen Zivilsachen soll über diese Erbsachen alleine entscheiden können und müssen.

 

[21] Wer jetzt noch einmal die geharnischte Kritik von Otte und Lange (vgl. oben Absätze Nrn. 5, 6, 7, 8, 9) über die in hohem Maße fehlerhaften erstinstanzlichen Urteile (Otte) und über das nicht mehr zu beseitigendes Wissensdefizit (Lange) liest, der kann aufatmen, wenn er nicht gerade eine erbrechtliche Streitigkeit vor dem Landgericht austrägt.

 

[22] Nunmehr ist der Weg geebnet, auf dem erfreuliche Umstände begegnen. Angesprochen sind die von mir so bezeichneten Eliterichterinnen und –richter. Damit hat es folgende Bewandtnis:

 

[23] Es gehört zu meinem Gerichtsalltag im Landgericht, daß Einzelrichter anstelle des Kammerkollegiums (drei Richter) die Güte- und die streitigen Termine leiten. Regelmäßig führt eine promovierte „Richterin“, verhältnismäßig häufig auch ein ebenfalls den Doktorgrad tragender „Richter“ die Verhandlung. Seltener begegnet eine „Richterin am Landgericht“ oder ein „Richter am Landgericht“. Das bedeutet: Die erstgenannten Einzelrichter verfügen über eine Berufserfahrung zwischen einem Jahre und drei Jahren, maximal fünf Jahren. Die letztgenannten („Richter am Landgericht“) sind Beamte auf Lebenszeit.

 

[24] Sie haben durchweg eine ungewöhnlich intensive, also Lebensqualität raubende universitäre und Referendarausbildung durchlaufen. Um promovieren zu können, bedarf es eines dissertationsbegleitenden Universitätsprofessors als Doktorvater. Ein solcher läßt sich nur finden, wenn ein Student ein Doktorandenseminar mit gutem, wenn irgend möglich mit sehr gutem Erfolge absolviert habe. Eine derartige Leistung neben dem ohnehin schwierigen Studium der Rechtswissenschaft zu erbringen, verschafft bereits das Image des Prädikatsjuristen. Denn es ist eine Eigenart des juristischen Ausbildungsverständnisses, daß etwa Referendare mit einem Universitäts- Prädikatsexamen, also einem Examen mit mindestens „voll befriedigend“, besser „gut“, noch vorteilhafter „sehr gut“ Achtung bei ihren hochgestellten Ausbildern finden. Wenn ein solcher Prädikatsjurist auch noch neben seinem sehr strapaziösen Referendariat seine Dissertation schreibt, dürfte er mindestens fünf Jahre keine Lebensqualität erlebt haben. Besteht er das zweite Staatsexamen mit einem Prädikat, dann hat er Chancen, in den Richterdienst übernommen zu werden. Dem Vernehmen nach sollen sich um eine Richterstelle über 300 Prädikatsjuristen bewerben. Die Justiz hat mithin die Möglichkeit, wahrlich die Allerbesten auszusuchen. Diese verdienen die Bezeichnung „Eliterichterinnen und –richter“.

 

[25] Ist ein solcher Jurist im Staatsdienst zunächst auf Probe eingetreten, sieht er sich vor der Aufgabe, ein in aller Regel unbewältigbares Dezernat unter Pensendruck zu führen. Das mag ihm geradezu als übermenschlich erscheinen. Hatte er während der Referendarausbildung für die Abfassung eines Urteiles, allerdings unter examensmäßigen Bedingungen, drei bis vier Wochen Zeit, verfügt er nunmehr als „Richter“ des Pensendruckes wegen für die gesamte Aktenbearbeitung nur noch über drei bis vier Stunden.

 

 

[26] Ein Prädikatsjurist muß „auf Lücke“ seine Ausbildung organisieren. Er kann nicht alle Rechtsgebiete überdurchschnittlich erlernen und beherrschen. Dann wird er vernünftigerweise seine Tätigkeitsschwerpunkte an den examensrelevanten Gebieten ausrichten und eher Prüfungs-Randerscheinungen wie das Erbrecht, das Baurecht sowie die Sonderrechtsgebiete, für die Spezialkammern eingerichtet werden können (vgl. oben Absatz-Nr. 16), vernachlässigen. Wird er dann mit hochkomplizierten Rechtsstreitigen auf diesen Gebieten befaßt, dürfte er in ständig wachsender Depression derart leben, wie auch ich sie schmerzhaft ertragen mußte (vgl. die Januar-Ausgabe dieses Rechtsbriefes).

 

[27] Es bleibt einem solchen Richter nur die Möglichkeit, mit den „Pfunden zu wuchern“ ,die er besitzt. Das ist seine exquisite Ausbildung mit den dabei gewonnenen überdurchschnittlichen Kenntnissen auf den ausgewählten Rechtsgebieten. Er wird dazu neigen, diese Überlegenheit in der mündlichen Verhandlung auszuspielen, die erhofftermaßen nicht sein Niveau erreichenden anderen Prozeßbeteiligten mit seinem Wissen zu „schockieren“ und damit Verhandlungsdominanz bis hin zum „Zwangsvergleich“ zu gewinnen versuchen. Das darf nicht negativ gewertet werden. Es ist eine Überlebensstrategie aus meiner Sicht. Gewinnt dann ein solcher Richter im Laufe der Zeit zunehmend an Prozeßerfahrung und an Problemkenntnissen, ist das allseits gewünschte Ziel der „optimalen Bearbeitung unter Pensendruck“ erreicht – aber erst dann.

 

[28] Bis dahin sind die Prozeßbevollmächtigten gefordert, die dieses Problem verstehen und über die Kenntnisse verfügen, an denen es – vergleichen Sie bitte abermals die Kritik von Otte und Lange – den Eliterichtern derzeitig gebricht.

 

[29] Dieses Dilemma ist aus meiner Sicht nur dadurch zu lösen, daß die etwa auf dem Gebiete des Erbrechtes qualifizierten Rechtsanwälte ihr Bestes geben. Sie haben die Schriftsätze in der dazu nun einmal benötigten Zeit – bei mir sind das durchweg 20 bis 40 Zeitstunden – zu fertigen und in möglichst wissenschaftlicher – jedenfalls in ehrlicher, das heißt in redlich strukturierter Weise die Rechtsproblematik zu entfalten. Das setzt jedoch eine gegenseitige Achtung und eine sorgfältig gewählte Ausdruckweise voraus. Im Zweifel stehen die hochqualifizierten Erbrechtssenate der Oberlandesgerichte im Berufungsrechtszuge bereit. Wie ernsthaft etwa der Siebte Senat für Erbrechtssachen des Oberlandesgerichtes Düsseldorf die Berufungen bearbeitet, zeigt überdeutlich, daß er heute bereits bis tief in das Jahre 2013 hinein den ersten Termine bestimmt.

 

[30] Diesen Eliterichtern stehen freilich sogenannte Top-Juristen der sogenannten Generation Y gegenüber. Sie haben gleichermaßen die Strapazen des Universitätsstudiums und der Dissertation während der Ausbildung auf sich genommen. Insoweit wird wiederum Kritik publiziert, allerdings in einer Weise, die ich mir habe wahrlich nicht träumen lassen.

 

[31]In der renommierten Fachzeitschrift Neue Juristische Wochenschrift (NJW) führt Rechtsanwalt Dr. Andreas Geiger aus Brüssel im vor etwa 14 Tagen im Teile „NJW-aktuell“ erschienenen Heft 10 unter der Überschrift „Die Juristengeneration Y: Verlierer in der globalisierten Arbeitswelt?“ unter Zitat auf den Australier Mark McCrindle aus:

 

[32] „Die Generation Y – das sind die in den 1980ger Jahren Geborenen (so Geiger am anderen Orte) – ist selbstbewußt, selbstständig, experimentierfreudig, erlebnisfreudig und technisch versiert. Zugleich ist sie aber auch anspruchsvoll und schnell gelangweilt. Sie weigert sich, Zeit in eine Arbeit zu investieren, die ihr keinen Spaß macht. Ihre Eltern vermittelten ihr weniger das Gefühl, etwas leisten zu müssen, als vielmehr das Gefühl, sich alles leisten zu können… (Unterstreichung von mir).“

 

[33] Geiger steigert seine Ausführungen noch mit den Worten:

 

[34] „Während sich karrierebewußte Junganwälte früher vor allem mit satten Gehältern ködern ließen, stehen heute flexible Arbeitszeitmodelle ganz oben auf dem Wunschzettel. Auch in großen Wirtschaftskanzleien ist das Work-Life-Balance längst ein geflügeltes Wort.“

 

Ich werde verfolgen, wie sich dieses Aufeinandertreffen von Eliterichtern und Topjuristen der Generation Y in den Gerichtssälen entwickeln werde.

 

[35] Damit bin ich bei meinem letzten Thema dieses möglicherweise etwas zu aufwendigen Rechtsbriefes angelangt.

 

[36] Ein Fall der klassisch werden könnte. Ich verweise auf meine „Information über das verspätete Erscheinen der März-Ausgabe des Neuen Rechtsbriefes (2012): „Recht erstaunlich“ und den dort geschilderten Fall.

 

[37] Mich würde interessieren, wie Sie gehandelt hätten. Hätten Sie die zweifellos als Eliterichterin zu bezeichnende Einzelrichterin ihrer Äußerung „nicht herumkommen“ wegen abgelehnt oder nicht? Ich habe die Ablehnung erklärt. Meine Gründe sind:

 

[38] Wenn ein Einzelrichter die Qualifikation des Eliterichters verdient, muß er sich auch elitär verhalten. Eine richterliche Zentralaufgabe besteht darin, das Waffengleichheitsprinzip der Parteien nicht zu stören. Der Sinn und Zweck einer Rechtsprechung ist es, die Anwendung des Faustrechtes zu verhindern und die Auseinandersetzung von Rechtsgenossen widerstreitender Interessen zu vergeistigen und der argumentativen Diskussion zuzuführen, die in ein Urteil mündet. Unternimmt es nunmehr ein Richter, die Angriffs- oder Verteidigungsmittel einer Partei zu schwächen oder gar zu zerstören, mißachtet er dieses Prinzip. Eine für eine Prozeßpartei geäußerte Sympathie stärkt deren Waffen und schwächt entsprechend diejenigen der anderen. Dann besteht die Besorgnis der Befangenheit, die für eine Ablehnung ausreichend ist.

 

Es kommt nicht darauf an, ob der Richter tatsächlich befangen ist, sondern darauf, ob er einer besonnen denkenden und handelnden Partei nicht mehr als unparteilich erscheinen könne. Aus meiner Sicht hat die Einzelrichterin das unantastbare Gebot der Waffengleichheit der Parteien verletzt. Sie war deshalb dem objektiv berechtigten Tadel der Besorgnis ihrer Befangenheit auszusetzen.

 

[39] Ich ende mit einem Zitat aus Stackmann: "Der Einzelrichter im Verfahren vor den Land- und Oberlandesgerichten“, Berlin 2006. Dr. Nikolaus Stackmann ist Vorsitzender Richter am Landgericht München I, mithin ein hochkarätiger Insider. Er führt auf Bl. 277 unter Randnummer 349 a.a.O. unter anderem aus, womit ich enden möchte:

 

[40] „Es gibt zwar Bevollmächtigte, die von dem im Zivilprozeß nicht sonderlich effektiven Instrument der Ablehnung regelmäßig Gebrauch machen, bzw. eine solche mehr oder minder routinemäßig androhen. Dies ist aber keineswegs die Regel. Deshalb sollte ein Ablehnungsantrag zunächst als Alarmsignal empfunden werden. Er läßt vermuten, dass sich die ablehnende Partei ungerecht behandelt fühlt und zum letzten Mittel greift, um ihre Belange zur Geltung zu bringen. Deshalb sollte unabhängig von der weiteren (rechtlichen) Behandlung des Antrags die eigene Haltung im Verfahren überdacht und ggfs. korrigiert werden. Es kann zum Beispiel nicht schaden, sich entweder in der dienstlichen Stellungnahme oder in einem weiteren Termin zu tatsächlich oder vermeintlich begangenen Fehlern zu bekennen und damit zu signalisieren, dass Bereitschaft besteht, sich mit Kritik auseinanderzusetzen und aus dieser Schlüsse zu ziehen.“

Dem ist wahrlich nichts hinzuzufügen.

 

Damit sind wir, werte Rechtsgenossin und werter Rechtsgenosse, am Ende dieses umfangreichen und deshalb mehrmals verschobenen Rechtsbriefes angelangt. Ich möchte seinen ernsten Inhalt auf Sie wirken lassen und nicht durch eine ansonsten bei mir üblichen Anekdote aus dem Gerichtssaal abmildern. Der nächste Rechtsbrief wird – das verspreche ich – kürzer ausfallen. Er baut allerdings auf den beiden vorangegangenen auf.

 

Bis dahin verbleibe ich

 

Ihr Ihnen stets ergebener

Dr. jur. Joachim Schuster

 

 

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